Auf den Spuren Jean-Francois Millets ins 19. Jahrhundert

Jean-Francois Millet gehört zu den bekanntesten Malern Frankreichs. Sein Geburtshaus steht in dem kleinen Weiler Gruchy, der zu Greville-Hague, am nördlichsten Zipfel des Cotentin, gehört. Der Besuch des kleinen Museums, des Dorfs und der Küste führt Euch zurück in das 19. Jahrhundert. Als es noch keine Wiederaufbereitungsanlage auf dem Cotentin gab, die Menschen aber vor der Cholera oder der nahenden Kriegsfront flohen. Kommt mit auf eine außergewöhnliche Zeitreise!

Ein Mann steht an der normannischen Küste auf einem Felsen und angelt
Kultur- und Naturgenuss lassen sich in Gruchy sehr gut verbinden.

Jean-Francois Millet? Nie gehört? Ich gebe zu, dass ich den Namen auch nicht sofort präsent hatte, mich aber an einige seiner Bilder erinnern konnte, kraftvolle Landschafts- und Menschenbilder,  realistisch gemalt und das Wesentliche von Mensch und Natur betonen. Und obwohl mir bislang weitgehend unbekannt, so ist Millet doch bis heute einer der einflussreichsten Maler Frankreichs. Zeit also, dem Herrn in seinem Geburtshaus einen Besuch abzustatten. Und das liegt in dem Weiler Gruchy auf dem Cotentin.

Detailansicht eines Hauses in Grouchy auf dem Cotentin
Der Weiler Gruchy ist eine echte Sehenswürdigkeit.

Schon das Dorf an sich ist eine echte Überraschung. Nur die Anwohner dürfen mit dem Fahrzeug die Straßen passieren, ansonsten ist der Ort einer für Fußgänger. Die Mehrzahl der Häuser sind kleine, alte normannische Steinhäuser und vermitteln den Eindruck, hier habe jemand die Zeit angehalten, als der berühmte Sohn des Dorfes, Jean-Francois Millet, das letzte Mal zum Malen hier war.

Ortsansicht von Gruchy auf dem Cotentin
In dem kleinen Weiler Gruchy scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.

Jean-Francois Millet – ein Leben

Jean-Francois Millet wird am 4. Oktober 1814 als Ältestes von acht Kindern geboren. Die Eltern sind Landwirte, nicht ganz unbegütert, aber auch nicht wohlhabend. Die Kindheit auf dem Hof ist hart und wird doch von zwei festen Konstanten geprägt: Der Liebe der Großmutter und der Bildung durch den Onkel, der den Buben die lateinische Sprache lehrt und ihn zeitgenössische Autoren lesen lässt. Die Eltern erkennen und unterstützen sein künstlerisches Talent, der Vater schreibt ihn 1835 in Du Mouchels Atelier in Cherbourg ein. Als der Vater stirbt, kehrt Millet nach Hause zurück, setzt seine Studien aber auf Betreiben der Mutter und Großmutter, diesmal im Atelier Langlois, fort. Mit einem Stipendium der Stadt Cherbourg kann sich Millet 1837 in der Ecole des Beaux-Arts in Paris, bei Paul Delaroche einschreiben. In den Folgejahren pendelt Millet zwischen Paris und Cherbourg und verdingt sich, als das Stipendium nicht erneuert wird, als Portaitmaler. 1848 wendet sich der Maler der bäuerlichen Arbeitswelt zu. Das Gemälde Le Vanneur, der Kornschüttler, löst auf dem Pariser Salon eine Sensation aus. Innenminister Ledru-Rollin erwirbt das Gemälde. Der politischen Turbulenzen und der Cholera-Epidemie wegen lässt sich Millet zusammen mit seiner Familie im Sommer 1849 in Barbizon vor den Toren Paris nieder. Zusammen mit anderen Malern seiner Zeit gehört er der dortigen Künstlerkolonie an, die großen Einfluss auf die Landschaftsmalerei im 19. Jahrhundert haben sollte. Die Barbizonniers bereiten dem Impressionismus den Weg und inspirieren unter anderem die Worpsweder Maler. Millet gilt als einer der wichtigsten Vertreter. Ab den 1850er Jahren kann er durch den Verkauf seiner Werke in gesicherten wirtschaftlichen Verhältnissen leben. 1867 werden seine Werke auf der Weltausstellung in Paris gezeigt, ein Jahr später bekommt er den Titel "Légion d’Honneur" verliehen.

Seinem Heimatort Gruchy bleibt er stets verbunden. Während des preußisch-französischen Krieges 1870/71 kehrt er mit seiner Familie für 16 Monate in sein Dorf zurück. Millet stirbt am 20. Januar 1875, nur 61-jährig, in Barbizon.

Büste des normannischen Malers Jean-Francois Millet.
Büste von Jean-Francois Millet am Parkplatz in Gruchy.

Millets Einfluss auf die Kunst

Einige von Millets Werken zählen auch heute noch zu den wichtigsten Gemälden des 19. Jahrhunderts. Er war bahnbrechend für zahlreiche Künstler, vor allem aber Vincent van Gogh, der viele von Millets Werken neu interpretierte. Sein berühmtestes Gemälde, das Angelusläuten, inspiriert bis heute viele Maler. Unter den Fans des Gemäldes war auch Salvador Dalí, der geradezu besessen von dem Bild war. Neben der Malerei hatte  und hat Millets Œuvre auch Einfluss auf Literatur, Film und Fotografie.

Millet auf der Spur: Gruchy und das Geburtshaus

Gemälde von Jean-Francois Millet, das seinen Heimatort Gruchy darstellt
Das Haus gegenüber hat Millet schon als Junge fasziniert...

Schon in Gruchy selbst könnt Ihr Euch anhand von Tafeln auf Millets Spuren heften. Neben einer Reproduktion des Gemäldes gibt es erläuternde Anmerkungen und der Blick in den Ort zeigt Euch, dass sich an manchen Stellen nur wenig verändert hat. Nur die Bäume sind zum Teil ordentlich gewachsen.

Aktuelle Ortsansicht in Gruchy, Cotentin, Normandie.
... und so sieht es heute aus, 150 Jahre später.

Das kleine Museum besteht aus zwei Gebäuden, dem Geburtshaus selbst und einem weiteren Haus gegenüber, in dem Sonderausstellungen zu sehen sind. 2018 beschäftigt sich diese mit dem Wechselspiel zwischen den ersten fotografischen Schritten und der Malerei Millets. Im Hauptgebäude könnt Ihr in der Wohnstube der Familie Millet ganz in das Leben in Gruchy im 19. Jahrhundert eintauchen. Es wird ein kurzer Film gezeigt, in dem Millets Menschen- und Landschaftsbilder aus der Region zu sehen sind. Wenn Ihr an der Kasse angebt, dass Ihr Deutsch sprecht, kriegt Ihr ein Booklet, das es Euch erleichtert, dem Video und dem Rest der Ausstellung zu folgen. Im 1. Obergeschoss ist eine weitere Sonderausstellung zu sehen – 2018/19 sind das Frauenportaits – und in einem kleinen Raum auch einige Originale. Das Museum ist nicht allzu groß, aber mit viel Liebe zum Detail gemacht. Ich und die beiden Hunde (die ganz selbstverständlich mitdurften, aber nur an den Katzen auf den Bildern, nicht aber an der Kunst als solchen, Interesse zeigten), haben gut eine Stunde dort zugebracht.

Gemälde von Jean-Francois Millet in seinem Geburtshaus in Grouchy
Die Ausstellung im Obergeschoss zeigt Millets Frauenportraits. Zum Glück für die Collies ist ab und an eine Katze mit auf dem Bild.

Nach der Kultur die Natur

Schroffe Küste im Osten des Cotentin bei Gruchy
Ausblick vom Castel Vendon auf die Klippen.
Gemälde von Jean-Francois Millet
So hat Millet die Landschaft in Szene gesetzt.

Auf keinen Fall solltet Ihr versäumen, der Küste bei Gruchy einen Besuch abzustatten. Ihr könnt direkt an Millets Geburtshaus Richtung "Castel Vendon" laufen. Von hier habt Ihr einen fantastischen Blick über die Buchten dieses Küstenabschnitts und eine Tafel zeigt Euch, was Millet gesehen und gemalt hat. Wenn Ihr Euch noch etwas tiefer wagt, kommt Ihr auf den Küstenwanderweg. Den könnt Ihr ein Stück entlang laufen und weitere Gemälde von Millet in Natura bewundern. Alternativ könnt Ihr den Rundwanderweg "Terre d'Artistes" bewältigen, der Euch viele weitere ungewöhnliche Naturschönheiten zeigt und zudem am "Port du Hâble" und "Manoir du Tourp" vorbei führt. Die Strecke ist circa 13 Kilometer lang und an der Küste ab und an nicht ganz einfach zu begehen, festes Schuhwerk ist erforderlich. Beachtet außerdem, dass es keinen Schatten gibt und denkt an entsprechenden Sonnenschutz und genügend Wasser für Euch und Eure Hunde. Verpflegungsmöglichkeiten bestehen am Port du Hâble und am "Manoir du Tourp"; im Millet-Geburtshaus könnt Ihr kalte Getränke kaufen.

Zwei Border Collies auf dem Küstenwanderweg bei Greville
Mit den Kult(ur)-Collies auf dem Küstenwanderweg.

Lohnende Abstecher

Das Manoir du Tourp könnt Ihr nach überstandenen Abenteuern auch mit dem Auto ansteuern, wenn Ihr den Rundkurs nicht laufen wollt. Sehenswert ist die Anlage selbst und der kleine Garten. Außerdem findet in den Sommermonaten eine LandArt-Ausstellung zwischen Manoir und Parkplatz statt. Die Ausstellungsräume innerhalb des Manoirs könnt Ihr leider nicht mit Hund besuchen. Einen schönen Blick über die Buchten habt Ihr vom Aussichtspunkt in Landemer (weiter auf der Route des Caps Richtung Cherbourg). Sehr sehenswert ist die kleine Dorfkirche in Greville-Hague, in der Millet getauft wurde und die ihn immer wieder inspirierte. Mich haben vor allem die sprechenden, ja lebendig wirkenden, Figuren und das besondere Licht fasziniert. Mein Tipp: Wenn Ihr fotografieren wollt, nehmt ein Stativ mit. Eine Kaloriensünde wert sind die feinen Törtchen und die herzhaften Snacks in der Bäckerei gegenüber der Kirche :-) .

Figuren in der Dorfkirche von Greville-Hague
Die Dorfkirche in Greville ist ein besondere Entdeckung.

Gruchy ist ein besonderes Kleinod auf dem Cotentin. Ich habe mich an diesem Sonntag im Mai spontan verliebt. Mein Tipp: Lasst Euch ruhig Zeit, der Küstenwanderweg ist wunderschön, und Ort und Museum sind es wert, in Ruhe bewundert und entdeckt zu werden. 


Gruchy und Umgebung – praktische Hinweise und Tipps

Zwei Border Collie possieren am Hinweisschild zu Millets Geburtshaus bei Grouchy
Vom Küstenwanderweg zum Geburtshaus von Jean-Francois Millet ist der Weg ausgeschildert.

Das Geburtshaus von Jean-Francois Millet ist von Mitte Februar bis Mitte März Sonntag bis Donnerstag von 14 bis 18 Uhr geöffnet, April, Mai, Juni, September und französische Herbstferien Dienstag bis Sonntag von 14 bis 18 Uhr, Juli und August 11 bis 18 Uhr. Erwachsene zahlen 4,50 Euro Eintritt, Kinder 2 Euro. Mit dem Pass Intersites bekommt Ihr in weiteren Museen der Manche vergünstigen Eintritt.

 

Die Kirche in Greville ist kostenfrei  zu besichtigen.

 

Das Manoir de Tourp bietet verschiedene Ausstellungen und Mitmach-Aktionen an; außerdem ist es ein Hotel-Restaurant. Auch von hier aus könnt Ihr Richtung Küstenweg wandern.

Download
Hier könnt Ihr das GPS-File der Wanderung "Terre d'Artists" runterladen.
Terre d'artistes.gpx
GPS eXchange Datei 7.7 KB

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